Abschied von Gestern

1937 in Leipzig als Kind jüdischer Eltern geboren, flüchtet die ehemalige Telefonistin Anita G. (Regisseursgattin Alexandra Kluge) aus der DDR in den Westen, wo sie eine Stelle als Krankenschwester annimmt. Anita entstammt, das machen einige Rückblende-Standfotos deutlich, einer einst wohlhabenden Familie, die den Holocaust in großen Teilen nicht überlebt hat. Aber man erfährt nur wenig aus der Biographie der jungen Frau. Zu wenig, um ihre offenbar traumatischen Kindheits- und Jugenderlebnisse und deren Auswirkungen auf ihre labile Konstitution nachvollziehen zu können. In Braunschweig, ihrer ersten West-Station, wird sie straffällig und muß eine Haftstrafe verbüßen. Wieder aus dem Gefängnis entlassen beginnt eine

Auftrag Rache

Ein See in malerischer Landschaft, die Dämmerung geht rasch in absolute Finsternis über. Nur schemenhaft ist erkennbar, daß sich an der Wasseroberfläche etwas tut. Das Ungeheuer von Loch Ness? Es sind drei tote menschliche Körper, die der See freigibt, ganz langsam einen nach dem anderen… Schnitt. 9. Juni 1990 lautet das Datum auf einem Ferienvideo, das ein junges Mädchen spielend am Strand zeigt. Die unscharfen Wackelbilder sind von großer Bedeutung für den Mann, der die Szene einst vor vielen Jahren gedreht hat und sie sich nun wieder ins Gedächtnis zurückruft. Schnitt. Ein Mann holt eine junge Frau vom Bahnhof ab

Alfons Zitterbacke

Der Zirkus gastiert in der (Klein-) Stadt. Dreißig Pfennig für die Geisterbahn, das ist viel Geld für Alfons (Helmut Rossmann), den den zehnjährigen Sohn des Küchenchefs im VEB Optima (Günther Simon). Der werktags für dreitausend Arbeiter kochen muss, auch wenn die volkseigenen Einkäufer ‘mal wieder nicht das Gewünschte kriegen. Weshalb Papa („Kunst ist das beinahe“) am Wochenende daheim am eigenen Herd gern experimentiert – und Alfons, seine Mutter (Angela Brunner) und sein kleiner Bruder Mäxchen (Helge Vollbrecht) dann die Suppe auslöffeln müssen. Apropos auslöffeln. „Zitterbacke – Hühnerkacke“ schallt es immer wieder durch den beschaulichen Ort irgendwo tief in der DDR-Provinz.

Aimee und Jaguar

Mit „Aimee und Jaguar“, für ein deutsches Melodram eine höchst ungewöhnliche Auszeichnung, wurden die Berliner Filmfestspiele „Berlinale“ 1999 eröffnet. Im altehrwürdigen Lichtspielhaus „Zoo-Palast“ dabei: Die 85jährige Lilly Wust, die seit 50 Jahren sehr zurückgezogen und in ärmlichen Verhältnissen in Lichtenberg lebt, sah ihr Leben noch einmal auf der Leinwand Revue passieren. Obwohl Max Färberböcks opulente Verfilmung in erster Linie Fiktion sein will, Fiktion ist, besticht „Aimee und Jaguar“ durch die eigene Sogkraft der authentischen Story, von der die Journalistin Erica Fischer erfuhr, nachdem Lilly Wust 1981 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden war. Sie hat aus Lilly Wusts Erinnerungen einen autobiographischen

Anonyma – Eine Frau in Berlin

„Was heißt Schändung? Als ich das Wort zum ersten Mal aussprach, Freitag Abend im Keller, lief es mir eisig den Rücken herunter. Jetzt kann ich es schon denken, schon hinschreiben mit kalter Hand, ich spreche es so vor mich hin, um mich an die Laute zu gewöhnen. Es klingt wie das Letzte und Äußerste, ist es aber nicht. (…) Als ich aufstand, Schwindel, Brechreiz (…). Sagte dann laut: Verdammt! und faßte einen Entschluß. Ganz klar: Hier muß ein Wolf her, der mir die Wölfe vom Leibe hält. Offizier, so hoch es geht, Kommandant, General, was ich kriegen kann. Wozu hab

Abwaerts

Nervenkitzel pur in Carl Schenkels hochkarätig besetztem Kinohit von 1984: Vier Männer – Götz George, Hannes Jaenicke, Wolfgang Kieling und Renee Soutendijk – sitzen im Fahrstuhl eines Bürohochhauses fest. Auf engstem Raum wird die Luft dünn – und bald liegen die Nerven blank, zumal einer der Eingesperrten auf tragische Weise sein Leben verliert… Götz George verkörpert in „Abwärts“, einem von amerikanischen Katastrophenstreifen beeinflußten Action-Thriller, einen Selbstdarsteller am Rande der eigenen Existenz. Der Möchtegern-Macho hat im Beruf wie im Privatleben längst ausgespielt und verbreitet im Büro wie im Bett einstiger Gespielinnen, die ihm längst auch in der Firma den Rang abgelaufen

Autsch

Die österreichische Variante der deutschen Beziehungskomödie steht zumindest bei der seriösen Wiener Presse in keinem hohen Kurs, gerade was die Arbeiten Paul Harathers betrifft. Dabei kann sich zumindest „Autsch !!!“ durchaus sehen lassen im Vergleich mit den Produktionen der ARD-Reihe „Wilde Herzen“. Chris (Co-Autor Serge Falck sehr jung, sehr blond und erstaunlich blass: Eher ein Milchgesicht denn ein gefürchteter Frauenheld) ist ein Hallodri. Er genießt das Leben in vollen Zügen und lässt nichts anbrennen, obwohl seine Lebensgefährtin Birgit (auch so ein blasses Mäuschen: Gabriela Benesch) nicht nur das flotte Cabrio und die geräumige Altbau-Wohnung, sondern auch noch die Promotionsagentur finanziert,

Annas zweite Chance

Anna Klahsen (Christiane Hörbiger) hat Kunst studiert, weiß auch einiges über juristische Dinge, seit sie ihrem Gatten beruflich zur Hand gegangen ist. Aber als sie, immer noch ganz elegante Dame, das Wiener Arbeitsamt mit konsterniertem Gesichtsausdruck verläßt, wird ihr endgültig bewußt, daß sie ihr Leben gänzlich umkrempeln muß – und das als Endfünfzigerin (um es ‘mal ganz vorsichtig auszudrücken). Wenige Wochen zuvor stand die gebürtige Wienerin noch im Mittelpunkt der piekfeinen Hamburger Gesellschaft, bestritt die allseits gefeierte Kunstmäzenin noch eine Vernissage in der geräumigen eigenen Villa. Mitten in die Präsentation eines hoffnungsvollen Künstlertalents platzte die Polizei, um Annas Gatten zu

An die Grenze

Wir schreiben das Jahr 1974. Deutschland ist Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaften, qualifiziert hat sich aber auch ein Team des „anderen“ Deutschland hinter Mauer und Stacheldraht. So läuft der Fernseher, natürlich der Adlershofer Sender, auch bei den Grenztruppen der DDR, einer besonderen und besonders geschulten Spezies der Nationalen Volksarmee. Zur ihr hat sich der frischgebackene Abiturient Alexander Karow (Jacob Matschenz) freiwillig gemeldet – zum Entsetzen seines Vaters (Burghart Klaußner). Der Chemieprofessor und DDR-Nationalpreisträger wäre als „Kader“ ohne weiteres in der Lage gewesen, seinen 19jährigen Sohn vom Wehrdienst befreien zu lassen. Aber Alexander will nicht der Protege seines Vaters sein, und schon gar

Abgruende der Leidenschaft

In einer Sturmnacht taucht Alejandro (Jorge Mistral) vor der Hazienda Eduardos (Ernesto Alonso) auf und verlangt, dessen Frau Catalina (Irasema Dilian) zu sehen, mit der er zusammen aufgewachsen ist. Zehn Jahre war er in der Fremde, ohne dass er sie vergessen konnte. Ein einziger Augen-Blick genügt: Auch Catalina liebt ihn mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit sogleich wieder wie früher und macht gegenüber Eduardo auch keinen Hehl daraus. Beide unternehmen eine Reise in die Vergangenheit, suchen die Orte wieder auf, an denen sie einst glücklich waren und dennoch, wahrscheinlich aus sozialen Gründen, nicht zusammen glücklich bleiben konnten. Heute, wo Alejandro offenbar wohlhabend